2. Gegeneinander – Nebeneinander – Miteinander ?


Hallo liebe (hoffentlich) zahlreichen Leser,

ich hoffe ihr befindet euch gerade in einer entspannten Situation in einer sonst angespannten Welt. 

Vielleicht habt ihr ja meinen ersten Beitrag gelesen. Den mit der Runde am Sonntagnachmittag 😉 Falls nicht könnt ihr hier schauen ->  Vom Belohnen, Bestrafen und der Gassirunde

Ansonsten wisst ihr ja wo wir stehen geblieben waren. Wir waren bei einer konsequenten Entscheidung unsererseits und dem Widerwillen von Nero auf der anderen Seite. Wir konnten mit einer Mischung aus etwas Geduld, Konsequenz und leichter Nachgiebigkeit die Leine aus dem Fang entreißen… Na? Wisst ihr noch wieviel Zähne sich in dem befinden? Nein? Lest ruhig noch einmal nach 😉 Kurz ein kleiner Einschub zum Thema “Konsequenz”. Falls ihr in einer Hundeschule wart, oder auf dem Trainingsplatz beim Verein, oder euch eines der zahlreichen Youtube-Tutorials zum Thema Leinenführigkeit, "Hund springt hoch", "Ziehen an der Leine" oder zum Komplex "Hundebegegnung" angesehen habt, von denen es ja Tausende gibt, wird euch der Begriff ja schon mehrmals um die Ohren geflogen sein. Eine genaue Definition habe ich persönlich noch nie gehört, gesehen oder gelesen. Für mich ganz persönlich bedeutet Konsequenz, an etwas dranzubleiben. Eine getroffene Entscheidung umzusetzen und zu verfolgen. Die meisten Menschen verwechseln Konsequenz mit Grausamkeit oder einer speziellen Form von “Hart sein”. Konsequent sein bedeutet nicht hart sein, ungerecht oder grausam. Das will ich hier mal in aller Deutlichkeit schreiben.

Unser gestresster vierbeiniger Begleiter kommt nun also langsam etwas zur Ruhe und wechselt vom gestressten Erscheinungsbild, in ein eher wachsames. Er sieht dabei äußerst aufmerksam aus. Seine Ohren sind nach vorn geklappt, die mindestens 17 Muskeln, die für die Bewegung der Ohren zuständig sind, ruhen. Die treuen Augen in denen die Welt zu liegen scheint sind weit geöffnet. Die Stirn und der Nasenrücken sind glatt, sein Fang geschlossen. Der Geschmack der Leine dürfte sich langsam verflüchtigen, den er nur schwach wahrnimmt, denn habt ihr gewusst? Hunde haben circa 1700 Geschmacksknospen, der Mensch circa 9000. Seine Rute schwingt inzwischen leicht hin und her, die waagerecht getragen wird. Das aufgebrachte Blut beruhigt sich langsam, weil das Herz das zwischen 30 und 500 Gramm wiegen kann, nun nicht mehr so extrem pumpt. Welche der 13 bekannten Blutgruppen er wohl besitzt? Das können wir ja später beim Tierarztbesuch in Erfahrung bringen, falls wir gemeinsam dort hingehen wollen? Habt ihr Lust auf ein wenig Medical Training? Lasst es mich wissen.


Jedenfalls, in diesem wachsamen Zustand scheint unser Hund an diesem Sonntagnachmittag doch noch nicht ganz überzeugt zu sein und so liegt es an uns noch etwas Überzeugungsarbeit zu leisten. 

Wie Gehen wir das nun an?

Aaaaah… Leckerlis…. Oder?! Ein kleiner Hauch von Zweifel liegt in Euch. Wollt ihr Nero wirklich für eure Entscheidung bezahlen müssen? Gebt ihr euren Mitmenschen jedes Mal Geld, wenn ihr mit Ihnen reden wollt? Eine Idee einbringen möchtet? Wohl eher kaum, obwohl ich mir gern auch andere Dinge zeigen lasse, also wer das tut, kann ja mal schreiben. Oder bieten wir statt der materiellen Bezahlung etwas anderes? Doch was könnte das wohl sein? Nun, hier kommen wir an einem entscheidenden Punkt. Dem, meiner Meinung nach, absolut wichtigsten. Der Frage der Haltung an sich. Oder viel besser gesagt, zu der Frage des sozialen Miteinanders. Wie gehen wir miteinander um. Gehen wir Miteinander um oder ist es ein eher ein Nebeneinander? Was erzählen wir uns denn? Kommunizieren wir miteinander?  Haben wir uns noch etwas zu erzählen? Und wenn ja was? Auf welcher Art und Weise? Ja, man kennt ja die Sprüche: “Vorher war das alles nicht so schlimm”, “das hat es früher nicht gegeben”. Doch ist es wirklich so? Nichts ist so beständig wie der Wandel. Und wie gesagt die Frage, die wir uns hier stellen, ist also eine soziale. Lassen wir Frust aufkommen und geraten wir in ein passives Verhalten, ohne weiter miteinander zu kommunizieren, so kann sich das Nebeneinander sogar unter Umständen in ein Gegeneinander wandeln. Einer schlimmeren Form, wenn nicht der schlimmsten, denn wirklich konstruktiv kann man hier nicht sein. Auch wenn Heraklit behauptet hat, dass der Krieg, der Vater aller Dinge ist. Doch lasst mich nicht zu sehr abschweifen, bleiben wir bei Fido 😊

Wir wollen also keine Nebeneinander und erst Recht kein Gegeneinander. Ein freudiges Miteinander soll es sein, denn Gemeinsamkeit ist der Ursprung allen Lebens. Ihr wisst schon, die 2 Zellen die sich vereinen. Bevor also die Kommunikation stattfinden kann, sollte meiner Meinung nach eine Beziehung und eine Bindung bestehen. Diese lässt sich gut durch das Konzept von Sicherheit – Vertrauen – Freiraum verwirklichen.

A)  Zur Sicherheit zählen: Rückzugsmöglichkeiten / sozialer Anschluss und Bindung / Nahrung (auch ein brisantes Thema bei dem Menschen leidenschaftlich ihre Glaubenssätze vom BARF, Trockenfutter oder Nassfutter verteidigen können)/ Trinken / Körperliche Unversehrtheit / Strukturen / klare Informationen

Zu den Strukturen und den klaren Informationen kommen wir hoffentlich später noch ;-)

B)  Sicherheit führt zu -> VERTRAUEN.

Vertrauen beeinflusst die Aufmerksamkeit, die Motivationsbereitschaft und dadurch die Rückkopplung an den Halter. All diese Faktoren wirken sich auf die Bindung aus. Das Miteinander. „Die Stufe auf der man gegenseitig steht“. Im Idealfall sind dieses 3 Faktoren auf den Halter bezogen, natürlich im gesunden Maße. Insbesondere bei der Motivationsbereitschaft ist es wünschenswert, die intrinsische Motivation in Richtung Halter zu lenken, natürlich gilt das auch hier umgekehrt. Die intrinsische Motivation, ist eine Motivation die von innen herauskommt. Die Handlung um des Handelns Willens. 

Der Begriff Motivation entstammt übrigens dem lateinischen und bedeutet so viel wie "bewegen", "antreiben". Grundlage für die Motivation sind Bedürfnisse und Ziele, zu denen wir auch sehr gern später noch kommen können. Das Tiergehege ist ja noch in weiter Ferne.

C)   Sind all diese Dinge „im grünen Bereich“, kann man dem Hund C) Freiraum einräumen bzw verdient sich der Hund dadurch auch seinen Freiraum oder auch Freiheiten. Ein belohnendes Verhalten, was optimal ist denn wir wissen: Verhalten, dass sich lohnt wird beibehalten und Verhalten, dass sich nicht lohnt, wird abgestellt. Verhalten verschwindet jedoch nicht, es wird immer nur durch ein Alternativverhalten ersetzt. Der Hund darf Hund sein, was im Umkehrschluss weiteres Vertrauen zum Halter schafft und dieser bekommt dadurch Sicherheit und Vertrauen zurück, sowie diese auch in seinen Hund und wird im Auftreten und vor allem im Inneren sicherer. Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass man genauso einen Freiraum auch für sich selbst schafft, diesen kann man gezielt nutzen, um negative Energie abzubauen und mal abzuschalten, damit man wieder bereit ist, für die kommenden Dinge. Freiraum für den Hund bedeutet auch, dass er ein Stück weit selbst Entscheidungen treffen darf.  So schließt sich der Kreis von Sicherheit, Vertrauen und Freiraum und man hat eine wunderbare, geschlossene, positive Wechselwirkung in einer dynamischen Beziehung, die gegenseitig stärkt und Freude macht.


Und wenn wir diese Wechselwirkung erzielen oder erzielt haben, dann haben wir auch die Aufmerksamkeit unseres Vierbeiners, der sich an uns wendet um sich Rückzuversichern. Diese Momente können wir nutzen um mit ihm in Kontakt zu treten.  Sicher das liest sich recht simpel und ein bisschen wie eine Zauberformel, die in der rauen Wirklichkeit wahrscheinlich manchmal nicht ganz einfach umzusetzen ist. Da wären wir dann bei dem Persönlichkeitsprofil von euch selbst 😉 Denn wir wollen ja nicht nur alles in die Pfoten von unserem Hund legen, wir selbst sind Teil der sozialen Gemeinschaft und tragen damit ordentlich dazu bei, ob etwas gelingt oder ob wir uns eher in einem Konflikt nach dem anderen verlieren. Ihr versteht sicherlich worauf ich gerade hier hinaus will, oder? Richtig, die oben gestellte Frage nach dem Miteinander, Nebeneinander oder vielleicht sogar dem Gegeneinander. Da wären wir wieder bei dem Thema. An welcher Stellen stehen wir denn selbst? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Wir könnten auch einen kleinen Exkurs machen, aber noch ist die Zeit dafür nicht da, bleiben wir erst einmal bei unserem geplanten Spaziergang zum Tiergehege. Eine Frage stellt sich aber so lange…

Ist Nero ein Teil dieser Wechselwirkung?

 Was denkt ihr?



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