7. Beobachten will gelernt sein... Teil 1
Hallo liebe Leser,
während ich noch etwas über den
letzten Beitrag nachdenke, liegt Nero noch immer an diesem heißen Tag hechelnd
vor mir. Aus diesem Grund, werden wir noch etwas länger hier im Gras verweilen.
Das hält uns natürlich etwas von unserem ursprünglichen Plan ab, aber es gibt
uns auch etwas Zeit zum Grübeln und Sinnen.
Aber worüber? Ich bin ein Mensch,
der seine Gedanken in alle möglichen Richtungen bringen kann. Wie ist das so
bei euch? Ich mag es nachzudenken und zu grübeln. Es gibt auch immer wieder
neue Dinge zu entdecken. Genauso gibt es auch viele alte Dinge und Begebenheiten,
über die es sich lohnt noch einmal nachzudenken.
Für die eher praktisch Veranlagten unter euch gibt es hier ein kleines Experiment:
Nehmt euch
einfach mal 10 Minuten Zeit, setzt oder legt euch hin und bleibt ganz still.
Sofort werden euch zahlreiche Gedanken in den Sinn kommen. Ihr werdet auch
bemerken, dass wenn ihr versucht euch zu entspannen, viele alte Gedanken noch
immer „an der Oberfläche“ schwimmen. Vielleicht zu Begebenheiten die schon etliche
Jahre zurückliegen, aber sie sind noch immer aktuell. Oftmals ist uns gar nicht
bewusst, dass sie uns noch immer beschäftigen und unseren „internen Speicher
belegen“. Und wir reden hier noch nicht einmal von dem Unterbewusstsein. Nein,
hier handelt es sich schlicht weg um noch nicht vollständig verarbeitete und nicht
abgelegte Sachen. Diese Übung kann euch auch viel Ruhe bringen, je mehr ihr sie
anwendet, umso geschulter werdet ihr.
Anfangs gleicht das Ganze einem
Wasserfall. Die Gedankenströme sind unfassbar laut, wild, zahlreich und sie
werden förmlich sofort hinfort gerissen. Die Kunst bei dieser Übung ist es,
euch in der Rolle als Beobachter wieder zu finden. Ihr müsst die 3. Person
sein, die eure Gedanken beobachtet. Mit der Zeit werdet ihr immer geschickter
darin und es wird euch möglich sein, zwischen euren Gedankenströmen kleine
Pausen zu finden. Auch weil das Ganze natürlich zur Bewältigung und
Verarbeitung dient. Aber ihr werdet es auch schaffen, in diesen Pausen zu
verweilen. Lücken zu nutzen. Dort findet ihr die Ruhe und wenn ihr es erst
einmal geschafft habt, werdet ihr Übung in dieser Angelegenheit bekommen und
ihr werdet immer öfters Pausen und Lücken zwischen den Gedanken finden, das ist
dann der Moment, an dem aus dem reißenden Bach, ein ruhiger, steter Strom wird
und irgendwann mit viel Geduld und noch viel mehr Ruhe, wird der ruhige, sanfte
und leise Strom zu einem See, auf dessen ruhiger Oberfläche ihr euer
Spiegelbild erkennen könnt. Aus diesem See seid ihr dann im Stande Kraft zu
schöpfen.
Versucht es ruhig, wichtig ist,
dass ihr dabei nicht erzwingen dürft. Seid einfach nach außen ruhig und ihr
werdet erkennen, wie es in euch tobt. Dann beginnt die Arbeit 😉
Aber warum schreib ich das eigentlich? Also, um ganz ehrlich zu sein, ich brauchte einen Aufhänger um in das Thema einsteigen zu können :D Manche Anekdoten lassen sich nicht so einfach erzählen. Aber diese Überleitung ist eigentlich ganz passend, denn im Hundetraining ist Ruhe und Gelassenheit natürlich sehr förderlich, wenn nicht gar essentiell, denn sie hilft uns einen kühlen Kopf zu bewahren und die Dinge zu überblicken. Ihr könnt hierzu gerne auch noch einmal ein Kapitel auf diesen Blog zurückspringen. Na ja eigentlich sind es 3, denn ich spiele hier auf die 2 Stressbeiträge an.
Hier findet Ihr sie ->
Vom Stress, Frust und besonderen Erkenntnissen -- Teil 1
Vom Stress, Frust und besonderen Erkenntnissen -- Teil 2
Aber vor der Gelassenheit, gibt es noch einen anderen
Aspekt, den wir aus der Übung von oben entnehmen können. Und dass ist die
erwähnte Beobachterrolle.
Was genau meine ich damit?
Es gibt 3 verschiedene, nun ja
nennen wir es mal „Betrachtungsweisen“, die uns mit dem Training und auch bei
dem Miteinander sehr weiterhelfen können, wenn wir ein paar Dinge beachten.
Wir müssen unterscheiden zwischen dem „Bewerten“, dem „Interpretieren“ und dem „Beobachten“. Wenn wir in die Beobachterrolle gehen, dann schließen wir die Interpretation und vor allem die Bewertung aus.
Worin aber liegt der Unterschied?
Nun bei
der Bewertung, geben wir, wie es der Name schon vermuten lässt, eine Bewertung
zu einem Geschehnis oder zu einem Fakt ab. Ein Werturteil. Wir sind hier also
sehr Subjektiv und Urteilen aus unseren eigenen Sichtweise heraus, meistens
vermischt mit Gefühlen, Emotionen und natürlich all unseren Vorerfahrungen. Vorurteile
sind hier natürlich vorprogrammiert. „Der macht das, um mich zu ärgern…“, ist
zum Beispiel so ein typischer Vertretersatz, den wir alle schon mal gesagt
haben. Die einen meinen das wirklich so und die anderen haben das vielleicht
nur mit einem Augenzwinkern festgestellt.
Danach
kommt die Interpretation. Hier neigen wir dazu, ein Verhalten oder eine
Situation zu erklären. „Der macht das weil…“; „Die will damit erreichen, das…“;
„Der fühlt sich so und so und deswegen…“. Diese Interpretation können wir uns
erlauben, wenn wir über eine gewisse Sachkunde verfügen und wenn wir vor allem
die Beobachtung vorangestellt haben.
Was uns zur Beobachtung führt. Wir schauen also: „Wie verhält sich der Hund?“. Welche Körpermerkmale fallen uns auf? Wo schaut er hin? Wohin ist das Körperzentrum verlagert? Wo liegt sein Schwerpunkt? Was machen die Ohren? Die Augen? Lefzen? Fang? Und so weiter. Wie läuft er? Wie fallen die Bewegungen aus? All das kann man beobachten. Völlig wertfrei und völlig neutral. Danach gleichen wir das Ganze mit unserem jeweiligen Wissensstand ab. Was daraus wird, lassen wir hier mal offen 😉 Es gibt übrigens auch eine Reihe von Beobachtungsfehlern, die uns unterlaufen können. Darauf werden wir ebenfalls noch einmal im kommenden Beitrag eingehen.
Wenn wir es also schaffen, zuerst
mal eine wertfreie Beobachtung durchführen zu können, dann würde uns das –hypothetisch
gesehen- in die Lage versetzen, mit dem Hund in Kommunikation treten zu können,
wenn wir denn aktiv werden wollten.
Um mit dem Hund erfolgreich zu
interagieren, ist es notwendig sich gegenseitig zu verständigen. Das heißt in
Kommunikation miteinander stehen.
Bei der Verständigung oder auch
Kommunikation, tauschen wir ständig Informationen aus bzw übermitteln diese.
Bewusst wie auch unbewusst.
Informationen können sein: Fakten, Emotionen, Gefühle, sonstige
Zustände
- Es ist
festzustellen, dass Hunde absolute Meister im Informationen empfangen sind
- Die
Problematik die vorherrscht ist aber folgende: Die Informationen, die wir
vom Hund erhalten, gehen verloren, wenn wir nicht im Stande sind, diese zu
lesen, zu deuten und einzuordnen
- Im
Gegensatz dazu, überhäufen wir – im Training sagen wir „Überschatten“- ,
den Hund mit einer unglaublichen Vielzahl an Informationen und von
unterschiedlichen Informationen, wenn wir nicht wissen, wie wir uns
bewusst ausdrücken sollen.
Dass muss man sich noch einmal
vor Augen führen…also geistig. Der Hund lebt in 2 Welten. Seiner hündischen und
auch in unserer menschlichen. Er muss also im Stande sein, mit seinen
Artgenossen kommunizieren zu können und muss nebenher auch noch unsere
Informationen aufnehmen, filtern und deuten und nicht zuletzt auch noch das
umsetzen, was wir von ihm fordern. Eine absolute Meisterleistung, viele
Menschen schaffen es dagegen nicht einmal vernünftig in ihrer Welt miteinander
zu kommunizieren.
Ich muss an dieser Stelle nochmals betonen, dass ich euch auf diesem Blog zu 90% meine Gedankengänge mitteile. Wollten wir hier rein wissenschaftlich einen Überblick über alles geben wollen, dann würde das den Umfang sprengen, abgesehen davon bin ich in vielen Themen auch nicht zu hundert Prozent vertieft. Wer also gerne weiterführende Infos braucht, kann ja weiter nachforschen, oder ihr bleibt mir als Leser treu erhalten und wir arbeiten uns nach und nach gemeinsam tiefer in die Thematiken ;-) Ich wollte nur kurz auf diesen Umstand und Fakt hinweisen, denn das Thema Kommunikation ist ja auch unendlich groß, so dass ich hier nur relativ subjektiv schreiben kann und bei weitem nicht alles abdecke, was es dazu zu schreiben gäbe. Aber mehr zum allgemeinen Thema, wird es im nächsten Beitrag geben, bleibt mir also treu 😉
Wie dem auch sei, wir können auf alle Fälle festhalten: Eine gute Kommunikation ist das A und O im gemeinsamen Miteinander – egal ob im Alltag oder im bewussten Training. Der Austausch von Signalen, dient übrigens immer zum gegenseitigen Vorteil.
Um also strukturiert und neutral
mit dem Hund kommunizieren zu können, sind also 2 Gegebenheiten von absoluter
Wichtigkeit:
1.
Wir müssen den Hund verständlich lesen
können - und er uns
2.
Wir müssen im Stande sein, uns bewusst
ausdrücken zu können und somit Informationen verständlich vermitteln zu können.
Zu beachten ist hierbei natürlich
auch die Form der Kontaktaufnahme. Wer nimmt mit wem, wann, in welcher Form
Kontakt auf?
Aber ich kann euch gerne mal einen Themenbezogenes Beispiel geben.
Bereit? Dann Feuer frei!
Hunde sind perfekt homöostatisch angepasste, hochgradig sozial
entwickelte Lebewesen, die intrinsisch motiviert Ressourcen benötigen, um in
ihrem Habitat überleben zu können und außerdem dazu gute Voraussetzungen für
die Weitergabe von Genen schaffen zu können. Als einen Teil dieser entwickelten
Überlebensstrategien, kann man meiner Meinung nach, vor allem die Bereitschaft
zur extrinsischen Motivation ansehen, was die Domestikation des Hundes durch
den Menschen eventuell begünstigt haben könnte. Aber auch Habituation,
Sensibilisierung und Prägung könnten hier eine entscheidende Rolle gespielt
haben. Die so erlernte Sozialisation und das damit einhergehende Verhalten,
könnten über die Epigenetik und dem Tradieren feste Verankerung im Hund und
dessen Ethologie gefunden haben. Jedenfalls, um an diese besagten Ressourcen zu
kommen, haben sie komplexe Verhaltensketten innerhalb ihres erwähnten
Ethogramms geschaffen, sowohl in ontologischer, als auch in phylogenetischer
Hinsicht. Innerhalb dieser Beschaffungsmaßnahmen können Konflikte auftreten. Je
nach Art der Beschaffenheit des Hundes, können hierbei assertive oder appetitive
ritualisierte Verhaltensweisen präsentiert werden. Diese dienen zur klaren
Kommunikation und zum Konfliktmanagment. Die Übergänge sind naturgemäß sich
ständig verändernd, denn nichts ist so beständig wie der Wandel selbst.
PAUSE
Und? Alles verstanden oder hat
das Oberstübchen eher abgeschalten und Ihr habt den Faden verloren? ;)
Hier die „Übersetzung“.
Hunde sind in allen Belangen (körperlich sowie geistig) perfekt
angepasste und zudem hochgradig sozial entwickelte Lebewesen, die einem inneren
Antrieb folgend, verschiedene Bedürfnisse haben und benötigen, um in ihrem Lebensraum
überleben zu können und dazu gute Voraussetzungen für die Weitergabe ihrer Gene
schaffen zu können. Als einen Teil dieser entwickelten Überlebensstrategien,
kann man meiner Meinung nach, vor allem die Bereitschaft sich von fremden oder
außenstehenden Antrieben in Bewegung setzen zu lassen ansehen, was die Zähmung
und Haustierwerdung des Hundes durch den Menschen eventuell begünstigt haben
könnte. Aber auch die Gewöhnung sowie das empfänglicher werden von Reizen aus
der Umwelt und Lernergebnisse die nicht mehr rückgängig gemacht werden können,
könnten hier eine entscheidende Rolle gespielt haben. Die so erlernten Lernprozesse
und das damit einhergehende Verhalten, könnten über die generationsüberschreitende
Vererbung und der Überlieferung durch Einzeltiere feste Verankerung im Hund und
dessen Verhaltensbereich gefunden haben. Jedenfalls, um diese besagten Bedürfnisse
zu erfüllen, haben sie vielschichtige Verhaltensketten innerhalb ihres
erwähnten Verhaltenskatalog geschaffen, sowohl in persönlicher, als auch in stammesgeschichtlicher
Hinsicht. Innerhalb dieser Beschaffungsmaßnahmen können Konflikte auftreten. Je
nach Art der Beschaffenheit des Hundes, können hierbei unnachgiebige oder nachgiebige
ritualisierte Verhaltensweisen gezeigt werden. Diese dienen zur klaren
Kommunikation und zum Konfliktmanagment. Die Übergänge sind naturgemäß sich
ständig verändernd, denn nichts ist so beständig wie der Wandel selbst.
Ich hoffe das war etwas
verständlicher. Vielleicht ein etwas abstraktes Beispiel, aber ein sehr
passendes. Natürlich muss es nicht immer so wissenschaftlich und umfassend
sein. Weiter oben habe ich ja bereits mal die Überschattung erwähnt. Wir
verlangen von dem Hund 2 unterschiedliche Aktionen aber geben ihm dafür nur 1 Signal.
Im Training ist da der Klassiker, der erhobene Zeigefinger, sowohl für das
„Sitz!“, so wie auch für das „Platz!“. Jetzt schaut der kleine Pfiffi natürlich
zögerlich und verwirrt nach oben, wartet noch einen Augenblick und bekommt in
der Zwischenzeit immer und immer wieder Anweisungen gezeigt und zugerufen. Und
je nach Hund dauert es mal länger oder kürzer, bis durch Zufall der Hund das
gewünschte Verhalten anbietet. Das achten auf eine klare Signalgebung schafft
da Abhilfe und manch einer wundert sich, wenn es beim Trainer plötzlich wie
durch Zauberhand funktioniert.
Dann ist die Zeit wieder gekommen
für den bewertenden Satz: „Der macht das, um ich zu ärgern…“
Fortsetzung folgt…
Beispielbild "Wasserfall" von User "Cerimogs"




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